Wann hattest Du das letzte Mal das Gefühl, dass Dich jemand wirklich sieht? Dein ganzes Wesen wahrnimmt und Dich versteht? Einfach nur von Herz zu Herz- ohne grosse Worte?

Da müssen wir dann oft schon einen Moment lang überlegen, weil dazwischen so viele flüchtige und kurze Begegnungen vorkommen, die kaum einen Eindruck hinterlassen haben.

Einander zu begegnen ist so viel mehr, als sich nur anzuschauen und ein bisschen Small-Talk zu betreiben. Es bedeutet, sich auf den anderen einzulassen. Ihn zu akzeptieren, ohne dabei in eine wertende Haltung zu fallen. Ihm ohne Worte zu verstehen zu geben, Du bist okay genau so wie Du bist und ich interessiere mich für Dich und deine Geschichte. 

Ja das ist nicht immer so einfach, vor allem dann nicht, wenn wir die Person schon kennen oder wir zumindest denken, sie zu kennen.
Abgespeicherte Erfahrungen die wir mit dieser Person verknüpfen, machen sich innert wenigen Sekunden bemerkbar und überlagern automatisch unsere Wahrnehmung in diesem Moment.

Von da an wird es schwierig, eine aufrichtige und neutrale Haltung zu bewahren. Unser Gedankenkarussell spielt verrückt und wir können uns noch so sehr darum bemühen, wir sind nicht mehr im Hier und Jetzt präsent.

Aus dem Herzen kommt die einzig wahre Sprache

Nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Ereignisse auf unserem wunderschönen Planeten, frage ich mich, wieso uns dies so schwer fällt. So viele Begegnungen mit unseren Mitmenschen haben wir über den ganzen Tag verteilt und kaum eine davon, ist mehr als nur ein flüchtiger Blick zum Gegenüber.

Wir sind alle so stark mit uns selber beschäftigt, mit dem Leben dass wir unser eigen nennen, mit den Pflichten und Lasten, die wir uns aufbürden. Wir vergessen dabei sogar oft, bewusst zu atmen…

Das wirklich Verrückte daran ist, dass sich jeder von uns ähnliche Dinge in seinem Leben wünscht.

Da wären zum Beispiel, der Wunsch nach Anerkennung, nach Geborgenheit, nach Zufriedenheit und nach Liebe.

Wir alle teilen unser Leben hier, genau so wie wir unseren Planeten teilen. Es gibt kein “mein Leben” und “Dein Leben”, wir überschneiden unsere Lebenswege ständig und zwar täglich.

Und doch gibt es Menschen unter uns, die irgendwie verloren gehen. Das stimmt natürlich nicht wirklich, aber sie fühlen sich auf jeden Fall so. Sie haben keinen Bezug mehr zu dem was sie umgibt, sie fühlen sich im Stich gelassen, sehen die Welt als einen Ort voller Angst und Feindseligkeit. Das Verrückte daran ist, je mehr sie sich selber zurückziehen umso mehr tun es auch wir, ihre Mitmenschen.

Wir haben Hemmungen auf Menschen zuzugehen, die nicht den Eindruck von 0815 machen und so machen wir oft einen grossen Bogen darum. Denn wir wissen ja nicht, was da kommen könnte?

Doch vor was haben wir eigentlich wirklich Angst?

Ich habe mir lange Gedanken darüber gemacht und die sind bei weitem nicht nur angenehm. Ja, ich darf mir eingestehen, dass auch ich immer mal wieder so handle, wie ich es mir selber nicht wünschen würde.

Ich würde mir in so einem Moment glaub ich, einfach etwas mehr Aufmerksamkeit wünschen, einen Menschen der mir vielleicht etwas von seiner Zeit schenkt, der einfach einen Moment lang da ist und mir das Gefühl gibt, dass alles auch einfacher sein kann. Und trotzdem schaff auch ich es nicht immer, genau dieser Mensch für jemanden zu sein…

Wieso weiss ich eigentlich auch nicht wirklich. Vielleicht weil es mich zu sehr verletzen könnte, weil ich Angst davor habe zu fest mitzuleiden bei seinem Schicksal, weil ich zu sehr mit mir und meinen Pflichten beschäftigt bin oder aus einem der tausend anderen Gründe…ich weiss es nicht.

Trotzdem oder gerade deshalb, bin ich zufrieden mit mir- weil ich mir dessen bewusst bin und so wieder einmal mehr die Möglichkeit nutzen werde, jemandem meine Zeit oder einfach ein aufmunterndes Wort zu widmen. Oft braucht es so wenig und die Wirkung kann unglaublich gross sein.

Hm, vielleicht ist es ein Wunschdenken und vielleicht ist es näher als wir denken, ich weiss es nicht. Ich glaube daran, dass wenn wir uns alle wieder etwas mehr Zeit für einander nehmen und wirklich hinsehen, dass dann weniger Menschen den Drang dazu haben, auszubrechen und dies leider oft mit negativer Aufmerksamkeit versuchen. Nur zu oft kommt dann die Verzweiflung, die Trauer und die Wut in heftigen Ausbrüchen zum Vorschein und zurück bleibt dann nur noch das Unverständnis- wir alle drumherum fühlen uns dann ohnmächtig. Meistens ziehen wir uns dann noch ein Stück mehr zurück von denen, die selber nicht mehr an sich glauben…

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